
Schon der Einband zeigt: Es ist mehr als ein Bilderbuch. Es gliedert sich in drei Teile: eine Bilderbuchgeschichte, Übungen für Kinder und Hintergrundinformationen für Erwachsene. Ein kluges Bilderbuch über Vielfalt – stark erzählt aber didaktisch überladen.
Im ersten Teil geht es um Leni, einen Pinguin mit ungewöhnlich großen Flügeln. Sie kann weder gut laufen noch schwimmen und fühlt sich deshalb ausgeschlossen und traurig. Doch dann trifft sie einen Albatros, der ebenfalls große Flügel hat. Er ermutigt Leni, das Fliegen zu versuchen. Leni übt unermüdlich – und schafft es schließlich.
Der Übungsteil für Kinder erklärt anhand von Lenis Pinguinkolonie, was Diversität und Inklusion im Alltag bedeuten. Er regt dazu an, die eigene Umgebung zu hinterfragen. Der Erwachsenenteil zeigt, wie Erwachsene im Alltag Vielfalt fördern können.
Gedacht ist es für Kinder ab fünf Jahren, Eltern, Bezugspersonen und pädagogische Fachkräfte. Die Illustrationen von Sara Aeschlimann sind einfühlsam, ansprechend und kindgerecht. Im Übungsteil sollen Kinder Fragen schriftlich beantworten – für Fünfjährige eine Herausforderung. Pinguine mit Rollstuhl, Blindenstock oder großen Ohren wirken in ihrer Darstellung recht plakativ.
Das »Four Layers of Diversity«-Modell, 1994 von den US-Beraterinnen Lee Gardenswartz und Anita Rowe entwickelt, gehört zu den bekanntesten Modellen im Diversity Management. Es in einem Kinderbuch mit Pinguinen zu erklären, erscheint überzogen und könnte Kinder überfordern.
Trotzdem bietet das Buch einen guten Einstieg für Klassenprojekte. Es lädt Kinder dazu ein, über ihre Stärken und Schwächen nachzudenken und miteinander ins Gespräch zu kommen. Wenn Kinder selbst von ihren Besonderheiten erzählen, können sie Missverständnisse vermeiden. Die Beispiele im Buch überzeugen: Linus ist gehörlos und trägt Cochlea-Implantate, Matteo hat eine Muskelerkrankung, Lea lebt mit Autismus.
Mein Fazit: Auf den ersten Blick gefällt das Buch sehr. Beim genaueren Hinsehen zeigen sich Stärken und Schwächen. Kinder lernen, ihre Schwächen durch andere Stärken auszugleichen. Doch ein Pinguin wird nie fliegen können. Die Metapher kippt, wenn Realismus eingefordert wird – didaktisch ist das riskant.
Aeschlimann, Sara und Adrian Wullschleger: Hoch hinaus mit Leni: mit Übungen für Kinder & Tipps für Erwachsene, 1. Auflage Aufl., Bern, Schweiz: Hogrefe 2025.
