Forscher des National Technical Institute for the Deaf (NTID) am Rochester Institut of Technology haben mit Google zusammengearbeitet, um eine neue KI-Technologie zu testen, die Gebärdensprache in Echtzeit in Text umwandelt. Diese Technologie, genannt Sign Language-to-Text (SL2T), ist jetzt als Standardfunktion auf Google Pixel 11-Geräten verfügbar, die im August veröffentlicht wurden. Sie stellt einen bedeutenden Fortschritt in der Kommunikationstechnologie dar.

»Sign Language-to-Text hat das Potenzial, den Kommunikationszugang zu erweitern und gehörlose Personen weltweit zu stärken«, sagt Gary Behm, Direktor des NTID Center on Access Technology. Behm und sein Team haben in den letzten vier Jahren mit Google zusammengearbeitet, um Daten zu sammeln und Feedback zu geben. »Das war wirklich ein Durchbruch.«
Behm, der taub ist und die amerikanische Gebärdensprache verwendet, erinnert sich daran, früher Stift und Papier mit sich führen zu müssen, um zu kommunizieren. Die Technologie hat sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt und ermöglicht nun getippte Textgespräche auf Mobiltelefonen. Jetzt kann er die Kamera seines Telefons einschalten und die Gebärdensprache verwenden, die automatisch in Text umgewandelt wird, ähnlich wie beim Versenden einer SMS.
SL2T ist besonders hilfreich für Menschen, die bevorzugt in Gebärdensprache kommunizieren. Wie bei einer Spracherkennung können Nutzer den Text vor dem Versenden prüfen und bearbeiten. Google investierte über 100.000 Stunden in das Training der KI, die inzwischen mehr als 50 internationale Gebärdensprachen versteht. Ein Viertel dieser Zeit widmete sich der amerikanischen Gebärdensprache, die weder weltweit einheitlich noch an die englische Grammatik gebunden ist. Neben Handformen erkennt SL2T auch Gesichtsausdrücke und Körperbewegungen, die zentrale Elemente der Gebärdensprache sind. Für die Nutzung genügt eine freie Hand, um Bewegungen in Buchstaben, Wörter oder Sätze umzuwandeln.
Behm betont, dass die Technologie zwar im Alltag nützlich ist, aber keine qualifizierten Dolmetscher in medizinischen, rechtlichen oder anderen kritischen Situationen ersetzen kann.
Er würdigt Sam Sepah, einen Absolventen von RIT/NTID, für dessen Beitrag zur Entwicklung des Projekts. Sepah, heute Leiter des KI-Erreichbarkeitsforschungsprogramms bei Google, stärkte die Zusammenarbeit zwischen Google und der Gehörlosengemeinschaft.
»Als gehörloser Student, der etwas bewirken wollte, baute ich eine starke Grundlage für Führung auf«, sagte Sepah, der 2006 einen Bachelor Abschluss in multidisziplinärem Studium und 2008 einen Master Abschluss in Human Resources erwarb. »Durch die Unterstützung, die ich erhielt, erwarb ich die Fähigkeiten, die Google dazu veranlassten, mich auszuwählen, um ihr Sign Language AI Research-Team aufzubauen.«
Sepah betont, dass die Partnerschaft zwischen RIT und Google sowie sein Mentoring von Behm ein Vermächtnis der globalen Barrierefreiheitstechnologie aufbauen. »Gemeindam zeigen wir Familien überall, dass mit der richtigen pädagogischen Unterstützung und Gemeinschaft ein gehörloses Kind die Welt verändern kann.«
Als Gründer des AI Sign Language Advisory Committee von Google Deep Mind brachte Sepah Experten und Führungskräfte der Gehörlosengemeinschaft zusammen, um die Entwicklung und den Einsatz von SL2T verantwortungsvoll zu gestalten. Das Komitee stellt sicher, dass die Technologie die Werte nd Bedürfnisse der Gehörlosengemeinschaft widerspiegelt.
Das Rochester Institute of Technology (RIT) ist eine private, forschungsorientierte Universität in Henrietta (einem Vorort von Rochester) im US-Bundesstaat New York. Sie ist besonders bekannt für ihre stark praxis- und technikorientierten Studiengänge, ihr großes Kooperationsprogramm mit der Wirtschaft und das weltweit führende National Technical Institute for the Deaf (NTID). Mit dem NTID betreibt RIT eine einzigartige Einrichtung: Es ist das weltweit größte technologische College für gehörlose und schwerhörige Studierende und integriert diese vollständig in das Universitätssystem (eigene Studiengänge, Support, Jobvermittlung).
Quelle: Livadas, Greg: „RIT helps Google develop new technology that converts sign language into text“, in: RIT Rochester Institute of Technology (15.09.2026), https://www.rit.edu/news/rit-helps-google-develop-new-technology-converts-sign-language-text (abgerufen am 18.09.2026).
