Einfluss von Hörverlust und Tinnitus auf das Gehirn

Lieber Max,

Tinnitus und Hörverlust sind uns beiden bekannt. Wie du weißt, verfolge ich die Forschung zu diesem Thema. Es gibt eine interessante Studie der University of Illinois vom März 2026.

Die Studie untersuchte, wie Alter, Hörverlust und Tinnitus das Gehirn verändern. Forscher analysierten Gehirnscans vieler Menschen, um Veränderungen in verschiedenen Hirnregionen zu erkennen. Hier sind die wichtigsten Ergebnisse:

– Alter: Mit den Jahren schrumpft das Gehirn leicht – das ist ein normaler Prozess.
– Hörverlust: Beeinflusst nicht das gesamte Gehirn, sondern vor allem den Hippocampus, der für das Gedächtnis zuständig ist. Bei Hörverlust schrumpft dieser Bereich etwa 4 Jahre früher als üblich.
– Tinnitus: Verändert nicht die Gesamtgröße des Gehirns, beeinflusst aber bestimmte Regionen. Einige Hirnregionen wachsen, andere schrumpfen. Besonders der cinguläre Cortex, wichtig für Aufmerksamkeit und Emotionen, vergrößert sich bei Tinnitus.

Das bedeutet, dass Hörverlust das Gedächtniszentrum schneller altern lässt. Tinnitus verändert das Gehirn komplex: Es schrumpft nicht nur, sondern wächst auch in manchen Bereichen. Die Studie zeigt, dass Hörprobleme das Gehirn stärker beeinflussen als gedacht.

Stell dir das Gehirn wie eine Stadt vor:

– Mit dem Alter schrumpfen einige Gebäude langsam.
– Hörverlust lässt das „Gedächtnisviertel“ schneller verfallen.
– Tinnitus verändert einzelne Viertel – manche wachsen, andere schrumpfen.

Bild KI-generiert

Titel der Studie auf deutsch: »Standortübergreifende MRT-Analyse morphometrischer Unterschiede in Hirnregionen bei Hörverlust und Tinnitus über die gesamte Erwachsenenphase hinweg«

Abraham, Ivan u.a.: „Multi-site MRI analysis of morphometric differences in brain regions in the presence of hearing loss and tinnitus across the adult lifespan“, bioRxiv 2026, S. 2026.03.06.710136, https://www.biorxiv.org/content/10.64898/2026.03.06.710136v1 (abgerufen am 27.04.2026).

Gebärdensprache lernen: Fehler vermeiden und effektiv kommunizieren

DGS und Physiotherapie (KI generiert)

Ich habe mir mehrmals Heiko Buraks Liste der fünf größten Fehler beim Lernen der Gebärdensprache angesehen. Heiko Burak lebt in Herne und ist ein Experte für Deutsche Gebärdensprache. Bekannt wurde er durch seine Online-Sprachschule und seine Präsenz in den sozialen Medien. Er wurde an Taubheit grenzend schwerhörig geboren und wuchs in einer Familie auf, in der viele Mitglieder gehörlos oder schwerhörig sind. Daher beherrscht er sowohl die deutsche Lautsprache als auch die Gebärdensprache. Seit 2019 arbeitet er als Gebärdensprachtrainer, bietet Online-Kurse an und betreibt einen YouTube-Kanal, auf dem er Gebärdensprache vermittelt. Sein Ziel ist es, sowohl Hörenden als auch Hörbehinderten den Zugang zur Gebärdensprache zu erleichtern und als Brücke zwischen beiden Welten zu dienen.

Hier sind die fünf häufigsten Fehler, die er nennt:

1. Nur das Fingeralphabet in der Reihenfolge lernen. Wenn jemand buchstabiert, erkennt man die Buchstaben nicht, da sie in einem anderen Zusammenhang und einer anderen Reihenfolge stehen.
2. Die Grammatik ignorieren. Gebärdensprache hat eine eigene Grammatik und einen eigenen Rhythmus.
3. Vokabeln stur pauken. Man sollte Wörter im Kontext lernen, besonders aus Themenbereichen, die einem Spaß machen und über die man sich unterhalten möchte.
4. Ohne klare Motivation und Lernziele lernen.
5. Allein üben und lernen. Der direkte Kontakt mit anderen ist in jeder Lernphase wichtig.

Nun zu meiner Motivation: Warum möchte ich Gebärdensprache lernen?

Ich bin 76 Jahre alt und von Geburt an hörgeschädigt. Mein Gehör wird sich nicht mehr verbessern. Seit Jahrzehnten trage ich ein Hörgerät auf dem rechten Ohr, seit fünf Jahren auch links. Ich höre mehr, aber ob ich auch mehr verstehe, müssen andere beurteilen. Ich möchte besser verstehen und mich besser verständigen.

Meine angeborene Schädigung der Halswirbelsäule führt zu Koordinationsstörungen und Lähmungen in Händen und Fingern. Das Training der Gebärdensprache könnte diesen Prozess aufhalten. Bei Beweglichkeitsstörungen wird physiotherapeutische Hilfe empfohlen, um die Gebärdensprache leichter zu erlernen. Ich gehe den umgekehrten Weg und nutze die Gebärdensprache als Unterstützung der Physiotherapie.

Man sagt, im Alter eine neue Sprache zu lernen, fördert das Gehirn und das Gedächtnis.