Vogelbeobachtung stärkt Sprachfähigkeiten bei Aphasie-Therapie

An der University of Montana unterstützt das Beobachten von Vögeln die Rehabilitation von Schlaganfallpatienten. Forschende sehen darin eine entspannte Übung für die Kommunikation.

In Montana hilft eine überraschende Methode Schlaganfallpatienten: das Beobachten von Cooper’s Hawks, einer in Nordamerika heimischen Habichtart. Diese Aktivität ermöglicht es den Betroffenen, miteinander in Kontakt zu treten, Gespräche zu führen und eine Gemeinschaft zu bilden. So üben sie Kommunikationsfähigkeiten, die nach einem Schlaganfall oft verloren gehen. Eine häufige Folge eines Schlaganfalls ist Aphasie, eine Störung, die das Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben beeinträchtigt. Etwa ein Drittel der Schlaganfall-Betroffenen leidet darunter.

»Aphasie ist ein Identitätsraub«, sagt Catherine Off, Forscherin an der University of Montana. »Menschen mit Aphasie haben keine intellektuellen Einschränkungen. Sie sind in ihrem Kopf ganz sie selbst. Die Schwierigkeit liegt darin, dass sich ihre Sprachfunktion verändert hat.«

Catherine Off leitet das Intensive Comprehensive Aphasia Program (ICAP) der University of Montana. Dieses Programm zielt darauf ab, die Folgen der Aphasie zu mildern. Die Teilnehmenden kommen in der Regel vier Tage pro Woche über vier Wochen, insgesamt rund 80 Stunden Rehabilitation. Jede Person arbeitet mit einer geschulten Kommunikationspartnerin oder einem geschulten Kommunikationspartner zusammen, meist einem Masterstudierenden der Sprachtherapie. Diese unterstützen die Kommunikation während der Aktivitäten, während Vogelökologen die fachlichen Inhalte gestalten.

»Kommunikation verbessert sich erst, wenn man über etwas sprechen möchte«, sagt Off. »Wir sind jetzt aus dem Therapieraum raus. Wir sagen: Genießt es, mit Menschen zusammen zu sein, genießt es, draußen zu sein, und lasst die Kommunikation entstehen.«

Für Schlaganfall-Betroffene mit Aphasie sind alltägliche Gespräche oft mühsam. Hier setzt die Vogelbeobachtung als einfache Übung an. Sie verlagert den Austausch weg von der rein sprachlichen Ebene hin zu einer breiteren Kommunikation, etwa durch Zeigen, Zeichnen oder das Anschauen von Fotos. So können Betroffene sozial eingebunden bleiben, auch wenn sie nur wenig sprechen können, erklären die Forschenden in einem neuen Beitrag in der Fachzeitschrift Frontiers in Bird Science.

Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend, doch die Forschenden betonen, dass sich das Programm noch in einem frühen Stadium befindet. Sie arbeiten daran, die formalen klinischen Daten zu sammeln, die seine langfristige Wirksamkeit belegen sollen.

Die Häufigkeit von Schlaganfällen wird in den nächsten 25 Jahren weiter steigen. Der Schlaganfall ist derzeit die dritthäufigste Ursache für Tod und Behinderung bei Erwachsenen weltweit. Das lebenslange Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, ist in den vergangenen 17 Jahren um mehr als 50 Prozent gestiegen. Gleichzeitig überleben immer mehr Menschen einen Schlaganfall, was zeigt, wie wichtig es ist, ihre Lebensqualität im höheren Alter zu sichern. Die Forschenden aus Montana warnen, dass ungleicher Zugang zu hochwertiger Prävention, Akutversorgung und Rehabilitation die Genesung zusätzlich erschwert.

Vogelbeobachtung könnte den Zugang zu Angeboten verbessern. »Vögel gehören zu den wenigen Dingen, bei denen der Einstieg überall liegen kann, vom Sitzen und aus dem Fenster schauen bis hin zur Planung einer Wanderung, um eine besondere Art zu sehen«, sagt Victoria Dreitz, Vogelökologin im Wildlife Biology Program der Universität. »Man kann dort anfangen, wo man gerade ist. Was gibt es im eigenen Garten? Darum geht es«, sagt Dreitz.

Quellen: Marta Iraola Iribarren FR 29.09.2026 – University of Montana: Linking Wild Birds to Care: UM Collaboration Improves Life After Stroke