
Gestern Abend kam das Päckchen mit den Kuschelsocken an, die ich für die Kinder und mich bestellt hatte. Ich packte die Socken aus und bemerkte, dass sie sich nass anfühlten. Das konnte nicht sein, denn sie steckten in einer trockenen Plastikbox. Diese Box befand sich in einer ebenfalls trockenen Papiertüte. Das Kind meinte, die Socken seien kalt, aber nicht nass. Offenbar spielte meine Wahrnehmung verrückt, denn meine Körpertemperatur war kurz zuvor gesunken.
Unser Gehirn besitzt kein spezielles Sinnesorgan für »nass«. Es konstruiert dieses Gefühl aus Empfindungen wie Temperatur und Druck. Das Nässeempfinden entsteht, weil das Gehirn gleichzeitig eintreffende Temperatur- und Drucksignale kombiniert und als »nass« interpretiert.
Thermorezeptoren melden schnelle Abkühlung oder Erwärmung der Haut, etwa wenn kaltes Wasser oder nasser Stoff sie berührt. Experimente zeigen, dass eine Kombination aus Kälte- und Druckreizen auch ohne echtes Wasser ein Nässegefühl hervorrufen kann. Diese Illusion überkam mich heute Morgen beim Wäscheabhängen. Waren die Jogginghose und der Pullover noch nass oder nur kalt? Als die Heizung ansprang und der Raum wärmer wurde, stellte sich heraus, dass Hose und Pullover trocken waren.
Kälte plus Druck täuschen Nässe vor – besonders wenn der Körper abgekühlt ist. Probier es aus: Ein kalter Löffel auf der Haut unter leichtem Druck fühlt sich oft »nass« an. Für mich hat das Folgen. Die unkontrollierten Anfälle von Unterkühlung belasten meinen Alltag stark.
